Zum spielbaren T-72 kann ich nur sagen: "Steter Tropfen höhlt den Stein"
Naturgemäß habe ich eine andere Perspektive. Wir wollten den T-72 schon immer machen und hatten ca. 2005 alle entscheidenden Informationen zusammen, 2006 dann auch das 3D-Modell vom Turminneren. Leider sind wir dann ab 2006 von einer Nachfragewelle durch Armeekunden überrollt worden, die es uns auch unmöglich gemacht hat, neue Programmierer einzustellen.
Von 2002 bis 2005 hab' ich mir die Hacken wundgelaufen, um neue Aufträge hereinzuholen. Da zum damaligen Zeitpunkt das Konzept von "Serious Games" als Ausbildungsmittel noch nicht etabliert war, war viel Überzeugungsarbeit zu leisten - vor allem auch von den Armeeangehörigen mit frühzeitigem Durchblick intern. Davon bekommt man als Anbieter ja nicht so viel mit. Wie sich herausstellte, haben bei den meisten Kunden die Entscheidungsprozesse ähnlich lang gedausert - zwischen 18 und 36 Monaten. Erst muß die Grundsatzentscheidung getroffen werden, dann muß ein Budget verhandelt werden, und dann kommen die Kunden zu uns mit konkreten Vorstellungen.
Bei den ersten zwei, drei Verträgen weiß man ja nicht, ob die steigende Nachfrage bleibt, oder nur ein kurzzeitiges Phänomen ist, dem mit Überstunden beizukommen ist. Vielleicht sind die ersten drei Kunden nur zufällig zum selben Zeitpunkt zur Entscheidungsreife gekommen, man weiß es nicht. Wie sich dann schnell herausstellt, waren die nur die Vorboten der großen Welle. Nun kann man, nachdem man jahrelang die Bretter gebohrt hat, nicht plötzlich nein sagen. Die Projektmanager haben intern gegen heftige Widerstände um das Budget gekämpft, und nun sagt man "Sorry, ist uns zuviel Arbeit hier"? Das macht man nur einmal.
Also haben wir Ja gesagt und ab 2007 keine neuen Aufträge mehr aktiv akquiriert, weil wir 2009 für die Reorganisation eingeplant haben. Es kamen dann aber rasch noch Folgeaufträge dazu, die wir aus ähnlichen Gründen nicht einfach ablehnen konnten, deswegen hat es bis nach dem PE-Release 2.5 (September 2010) gedauert bis wir endlich die Luft hatten, neue Programmierer zu suchen und einzustellen. Eines der ersten Projekte, das wir dann sofort angegangen sind, war der T-72.
Mehr oder weniger Gejammer hätte aus meiner Sicht also kaum einen Unterschied gemacht. Bei weniger Gejammer hätte ich dieser Tage vielleicht nicht mit den Screenshots vom T-72 eröffnet sondern irgendwas anderes genommen. Das wär's aber auch schon. Unter der Randbedingung, für die Firma ein möglichst stabiles Geschäftsumfeld zu sichern, haben wir uns des T-72 also so schnell angenommen, wie das nur menschenmöglich war. Ich habe das genau so oder ähnlich auch seit 2007 in den Foren immer wieder geschrieben. Leider glauben einem manche nicht, andere haben ein kurzes Gedächtnis. Ich hoffe, daß man zumindest in der Rückschau unser stets ehrliches Bemühen erkennt und anerkennt. Hätten wir damals stur den T-72 fertiggestellt, weiß ich nicht, ob wir manche wesentlichen Großkunden hätten gewinnen oder halten können. Dann hätte man vielleicht 2007 ein PE-Update mit der Russenmöhre gehabt und 2008 den Laden schließen können. Mag sein, daß das für den einen oder anderen ein akzeptables Ergebnis gewesen wäre. Für uns als Firma sicher nicht.
Für schwingende Laufrollen gelten ähnliche Radnbedingungen. Ich bin grundsätzlich dafür, so etwas zu machen, und alle Modelle sind im Grundsatz dafür auch ausgelegt. Aber es hat für mich keine große Priorität, weil in der Realität die Auslenkungen nur selten wirklich so groß und hinreichend langsam sind, daß sich das Zugucken auch lohnt. Eine reine Animation bringt unter dem Simulationsaspekt inhaltlich absolut gar nichts (atmosphärisch hingegen schon, das gebe ich gerne zu). Was man also eigentlich bräuchte, wäre eine näherungsweise Simulation des Fahrwerks, also im Falle des Leo 2 vierzehn gekoppelte Federn kombiniert mit etwa zwölf Massepunkten in drei beweglichen Gruppen. Das fräße eine Menge Rechenleistung, wäre wohl nur bei einem Mehrkernprozessor sinnvoll zu implementieren (als separater Thread), und was bringt's?
Daß man bei langsamer Fahrt im nichtstabilisierten Betrieb weniger schwankende Sichten und Waffen hat. Wow. Das lohnt sich ja wirklich. :p