Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Berufsarmee. Wenn man die Landesverteidigung nicht länger als vordringliche Aufgabe ansieht, kann man ohne weiteres auch die Wehrpflicht aussetzen. Mehr als 'ne infanteristische Grundausbildung kriegt man in sechs Monaten eh' nicht hin, und ob man nur dafür die ganzen Strukturen für Wehrpflichtige vorhalten soll, ist schon zweifelhaft. Was in den Einsatz geht, ist bereits effektiv eine Berufsarmee.
Das Argument vom Staat im Staate halte ich nicht für stichhaltig. Wir haben 2010, nicht 1920. Großbritannien und die USA haben seit Jahrzehnten eine reine Freiwilligenarmee, ohne daß eine besorgniserregende Tendenz zur Verselbständigung erkennbar wäre. Wer sich für vier Jahre oder auch für acht verpflichtet, kommst aus der Gesellschaft und kehrt am Ende auch in sie zurück.
Man dar sich nur nicht der Illusion hingeben, daß das alles billiger zu haben wäre. Die Personalkosten werden relativ schnell steigen, die Einsparungen aus der Aussetzung der Wehrpflicht werden allenfalls langfristig durchschlagen. Dann stehen wir in ein paar Jahren wieder vor der Frage, ob man die Bundeswehr weiter schrumpfen muß um die Kosten im Griff zu halten. Insgesamt ist mir die Bundeswehrführung seit 1990 in diesen Fragen zu passiv. Nicht einmal von Generalen im Ruhestand ist ein Impuls gekommen, eine Diskussion zu führen, wohin wir die Bundeswehr entwickeln wollen. Damit enden wir heute genau da, wo wir angeblich niemals hätten hinkommen dürfen - in einer Armee nach Kassenlage.
Die NATO-Beschlußlage ist seit Jahrzehnten eindeutig 3% der Bruttoinlandsprodukts sollen fürs Militär ausgegeben werden. Die Bundesrepublik hat diese Auflage niemals erfüllt, sondern im Schnitt deutlich weniger als die Hälfte dessen ausgegeben. Daß wir auf diese Weise unsere eigene Bündnisfähigkeit unterminieren ist offensichtlich. Daß unsere europäischen Nachbarn mit Ausnahme Großbritanniens nicht ander handeln, macht es nicht besser. Daß die USA uns nicht zuletzt deswegen kaum ernst nehmen, kann niemanden überraschen.