Absolut niemand kann mit der Situation im Nahen Osten zufrieden sein - abgesehen von den Terrororganisationen selbst, die daraus natürlich ihren Einfluß ziehen.
Daß jeder Tote und Verletzte einer zuviel ist, ist nachgerade eine Binsenweisheit, darüber müssen wir nicht streiten.
Daß die Solidarität mit den Palästinensern eine hohle Phrase bei den Nachbarstaaten ist, ist auch offenkundig. Man sollte aber vielleicht daran erinnern, daß es die PLO war, die seinerzeit einen Staatsstreich in Jordanien versucht hat, um aus diesem Land ein "Ersatz-Palästina" zu machen. Das kommt im Allgemeinen nicht gut an, insbesondere weil Jordanien mehr Solidarität mit den Palästinensern gezeigt hat als jedes andere Land, und etwa 80% aller Palästinensischen Flüchtlinge aufgenommen hat. Und es ist wiederum bezeichnend, daß die Niederwerfung dieses Putschversuchs der Anlaß für einige Palästinenser war, wiederum eine neue Terrororganisation zu gründen (die Gruppe "Schwarzer September").
Wenn sich die Palästinenser stattdessen einmal Gandhi zum Vorbild nämen, könnte Israel gar nicht anders, als innerhalb eines Jahrzehnts spätestens einer umfassenden Friedensregelung zuzustimmen. Israel ist nicht so moralisch korrupt, daß sie vor einem vollkommen friedlichen passiven Widerstand die Augen verschließen könnten. Spätestens nach zwei Wahlen wären die Hardliner aus dem Amt und der Weg frei für zielführende Verhandlungen.
Ist es denn wirklich zuviel von den Israelis verlangt, daß sie als Vorbedingung für ernsthafte Vehandlungen die Anerkennung ihres Existenzrechts fordern?
Natürlich hat sich Israel wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, was die vielfachen Überreaktionen auf palästinensische Provokationen angeht. Andererseits ist es hierzulande schwer nachvollziehbar, was es heißt, vom Tag der Staatsgründung mit dem Vernichtungswillen aller umgebenden Länder konfrontiert zu werden und, nachdem man sich zumindest mit dem mächtigsten Feind einigermaßen ausgesöhnt hat (wofür Ägypten ein Jahrzehnt politisch vollkommen isoliert war in der arabischen Welt), von einer jahrzehntelangen Welle terroristischer Gewaltakte überschwemmt zu werden.
Die Kardinalfehler Israels waren, Siedlungen im Westjordanland zu beginnen und 1982 der Einmarsch in den Libanon. Damit wandelte sich Israel vom reinen Opfer zur Besatzungsmacht. Das werden sie ändern müssen, und es wird ihnen sehr, sehr schwer fallen. Daher ist es natürlich die bequemere Lösung, jeden Anlaß willig aufzugreifen, um den Kampf fortzusetzen.
Dennoch: Der Schlüssel zum Frieden ist eine Wandlung bei den Palästinensern. Erst wenn sie sich dazu durchringen, Gewalt nicht länger als Instrument zur Durchsetzung ihrer Interessen zu wählen, kann es zu einem Umschwung kommen. Das Kennzeichen dieses Konflikts ist, daß beide Seiten gute Gründe für ihre Haltung haben und daß es nicht ohne Aufgaben von Ansprüchen uf beiden Seiten gehen kann. Die Voraussetzung um das zu erreichen ist aber ein grundlegender Mentalitätswandel. Mein Mitleid mit beiden Seiten hält sich daher in Grenzen.