Es gibt keine Gleichheit im Unrecht; die Dauerhafte Nutzung einer abgelaufenen Testlizenz mit der Bräsigkeit von Sozialpolitikern zu rechtfertigen ist intellektuell unterirdisch.
Was Du tust ist eine Urheberrechtsverletzung. Gewiß, die Wahrscheinlichkeit von Entdeckung und Strafe ist denkbar gering (ich werde Dich nicht verpetzen), aber im Grunde besteht kein Unterschied darin, ob Du wissentlich eine Kopie von einem teuren Computerspiel, das von jemandem gecrackt wurde, von einer Tauschbörse ziehst (und dann damit prahlst, was Du doch schlau bist, daß Du nicht dafür zahlen mußtest) oder eine abgelaufene Test-Lizenz weiter nutzt. Wenn Du einzig auf die "Wirksamkeit" des Schutzes von Software und digitalen Medien abzielst als Ursache für rechtskonformes Verhalten heißt das letztlich nichts anderes als daß jedermann das Recht hätte, alles zu kopieren was auch immer er mit für sich vertretbarem Aufwand knacken kann. Es geht also nicht mehr um rechtskonformes Verhalten aus Einsicht, sondern es gilt einzig das Recht des Stärkeren. Millionen von Nutzern dürfen den Softwareprogrammierer enteignen, weil er zu doof ist, einen besseren Schutz zu programmieren.
Genau diese Einstellung führt zum Wettrüsten beim digitalen Rechtemanagement und zur Verdummung neuer Computerspiele. Für den PC werden fast nur noch Konsolenspiele portiert, weil die Piraterie den Markt für PC-Spiele im Grunde vollkommen ruiniert hat. Aber halt, die wahren Schuldigen sind ja die Softwareentwickler, die Doofen hätten ja am Besten gar nicht erst versucht, mit ihrer Software Geld zu verdienen - was veröffentlichen sie denn die Software überhaupt?
Ab welchem Moment ist denn ein Kopierschutz "wirksam"? Welche Schwelle muß überschritten werden, damit das Begehren eines Urhebers für Dich legitim wird, für seinen Dienst auch Bezahlung zu verlangen? Und wenn dann ein Pirat kommmt und die Sperre umgeht (d.h. diese Schwelle unter das "Legitimationsniveau" absenkt) und das Ergebnis dann in Umlauf bringt, ist die Software dann weniger bezahlwürdig?
Wie willst Du eine Rechtssystematik auf der Basis Deines Arguments aufbauen?
Was Du vorschlägst läuft im Kern auf Anarchie und Enteignung hinaus und würde im Grunde jede Form geistiger Schöpfung zum Gelderwerb eliminieren. Das kann man wollen, nehme ich an. Dann wäre es aber auch nur konsequent, wenn man Schwarzfahren legitimieren würde (was kontrollieren die denn auch nicht jeden?), ebenso Hausbesetzungen (die Hütte steht leer, also gehört sie mir!) oder das Nichtzahlen von Arbeitslohn (statt 100 Arbeiter bezahle ich lieber zehn Mann mit Schrotflinte).
Ist das die Welt, in der wir leben wollen?
Im Grunde dreht sich alles um die Frage, ob wir das Richtige tun aus Einsicht, oder nur weil wir die Konsequenzen fürchten.