Die Frage ist erstens, wessen Verluste minimiert werden sollen. Natürlich kann man durch großzügigere Anwendung von Feuerkraft eigene Verluste reduzieren. Das ist aber u.U. nicht primär eine Frage der Ausrüstung sondern der Einsatzregeln.
Zweitens stellt sich die Frage, ob mit weniger einschränkenden Einsatzregeln der Frieden herbeigeschossen werden kann. Ich habe da Zweifel.
Es bliebe also drittens die Frage, ob man die Truppenstärke erhöhen sollte, um stärker in der Fläche püräsent sein zu können. Da sollten wir uns nichts vormachen - wenn das funktionieren soll, brauchen wir nicht 3500 sondern eher 15.000 Soldaten, besser 20.000, also vier Brigaden allein für den Norden. Das ist illusorisch. Der politische Wille fehlt, weil es auch keinen Willen in der Gesellschaft gibt. Selbst wenn das der Fall wäre, stellt sich immer noch die Frage nach der Logistik. Ich habe Zweifel, daß die Bundeswehr die nötige Durchhaltefähigkeit besitzt, um in Zentralasien dauerhaft vier Brigaden im Kampfeinsatz zu halten, mal abgesehen von der Frage, wer das alles bezahlen soll.
Die effektive Truppendichte kann also nur aus Afghanistan selbst erhöht werden. Dazu bräuchte man mehr Ausbilder als wir offenbar stellen können und man müßte diese afghanischen Polizisten auch regelmäßig und vor allem besser bezahlen als die Taliban als konkurrierende Arbeitgeber.
Wenn man 2004, 2005 damit ernsthaft begonnen hätte, wer weiß wo wir heute stünden. Der Irak-Krieg hat die Aufmerksamkeit der USA gebunden und von Seiten der Europäer sind eh immer nur Lippenbekenntnisse gekommen. Insofern stehen wir heute vor dem Scherbenhaufen, den wir durch eigene Untätigkeit erzeugt haben (also nicht die Kameraden vor Ort - die sind nur die Putzkolonne, die mit dem Wischmop die Kellerüberflutung in den Griff kriegen sollen).