Windows --- oder der Pinguin-Buddha?

  • Ich habe auf SteelBeasts.com ein Thema gestartet, zu dem ich Eure Meinungen einsammeln möchte. Am Besten direkt dort im Thread, aber wer's lieber auf Deutsch möchte, darf natürlich auch hier:


    Microsoft erzielt mittlerweile weniger als 10 % seines Jahresumsatzes mit dem Verkauf von Windows-Lizenzen. Folglich scheint das Unternehmen den Zweck des Betriebssystems zu verlagern: Es dient nun als Trichter für andere Dienste, nutzt Verbraucher als Betatester und bindet Kunden an einen abgeschotteten Garten wie den von Apple – nur mit weniger Datenschutz und weniger Klasse.

    Persönlich kann ich mit „weniger Klasse” leben, solange ich meine Privatsphäre bewahren, meine Arbeit erledigen und meine Spiele spielen kann. Aber angesichts der Richtung, in die sie sich bewegen, wollen sie lokale Benutzerkonten eindeutig abschaffen, und man kann davon ausgehen, daß es mit zukünftigen Windows-Versionen immer schwieriger werden wird, mit diesem Betriebssystem zu arbeiten, wenn man sich nicht für ein Microsoft-Konto anmeldet, seine Zahlungsdaten angibt und jegliche Privatsphäre aufgibt.


    Vielleicht sind meine Ansichten eine Ausnahme, aber ich glaube nicht, dass ich damit ganz allein dastehe.


    SB5 wird so entwickelt, daß es nicht nur mit Windows funktioniert. Linux, vor einiger Zeit als Notfallalternative ausgewählt, als wir die Spezifikationen für SB5 definierten, sieht zunehmend wie Plan A aus, während die Unterstützung für Windows 11 und was immer folgen mag zunehmend wie Plan B aussieht. Valve wird noch in diesem Jahr seine Steam-Konsole auf den Markt bringen, die vollständig unter Linux läuft. Die meisten Spiele, die auf Steam verfügbar sind, funktionieren heutzutage bereits unter Linux.


    Aber was denkt Ihr?

    Seid Ihr immer noch voll und ganz von Windows überzeugt?

    Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, zu Linux zu wechseln? Könnt Ihr es kaum erwarten, zu wechseln, oder überwiegen noch die Nachteile?

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  • Ich bin mein ganzes Leben unter Windows gefahren. Solange ich nicht "gezwungen" bin, ein anderes Betriebssystem für meine Programme & Games zu nutzen, bleibe ich weiterhin darauf.

    Letzten Endes muss man (meiner Meinung nach), eh davon ausgehen, dass IMMER irgendwelche Hersteller & andere Online Dienste, Daten von einem abgreifen, selbst wenn man sich dagegen ausspricht.

    Wenn ich sicher leben möchte, musste ich theoretisch mein komplettes Leben und all meine Daten in Papierform bringen, sodass ich alles analog habe und mich somit komplett aus der digitalen Welt abschotten. Aber wer macht sowas schon...?

  • Was sich in Windows ändert ist, daß hier alle Deine Aktivitäten zusammenlaufen. Amazon mag von Dir abgreifen, was Du einkaufst (Du kannst aber auch in fünf oder in fünfzig Buchläden in Deutschland bar einkaufen). eSim Games erfährt von Dir, welche Steel Beasts-Lizenzen Du hast (außer, Du tauschst mit jemandem CodeMeter Sticks). PornHub kennt wahrscheinlich Deine mehr oder minder ekelhaften sexuellen Vorlieben. Aber wenn Du in einem Pornoschuppen DVDs kaufst und bar bezahlst, ist das angucken auf dem PC bislang Privatsache.


    Mit Recall wird das anders. Da wird alle drei Sekunden ein Bildschirmfoto gemacht. Von allem. Deine Bankdaten. Deine Kontostände. Deine eMails. Was gerade in VLC Player läuft. Was Du spielst, wann Du spielst. Deine Arbeit, sofern Du Dich morgens mit dem Microsoft-Benutzerkonto am PC einloggst. Die Inhalte aller virtuellen Maschinen, die per VPN vielleicht mit Deiner Firma verbunden sein mögen, um Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Es läuft alles auf "Deinem" PC zusammen, der per TCM-Chip-Signatur identifiziert wird (und auch der Zweit-PC, das Tablet, ..., soweit sie mit dem Microsoft-Konto verbunden sind). Mit Windows Hello kennt das Betriebssystem dann auch Dein Gesicht.

    Warum das alles?

    Weil Copilot das braucht, um nützlich zu werden. Und Copilot wird beileibe nicht nur lokal ausgeführt. Im Gegenteil, alle komplizierteren Dinge, die der beflissene KI-Sekretär tun soll, benötigen eines der Rechenzentren, in die Microsoft derzeit Milliarden investiert. Das machen die nicht, weil sie zuviel Geld haben, sondern weil sie damit Billionen verdienen wollen. Früher hat so ein Office-Paket mal 300 Mark gekostet und acht Jahre gehalten. Jetzt wollen sie 120 Euro, pro Jahr. Ist Office in der Zwischenzeit achtmal nützlicher geworden? Wohl kaum. Und das ist die Vermögensextraktion, die schon jetzt stattfindet, ganz ohne Copilot, einfach nur mit dummen Abomodellen. Was passiert wohl mit den Preisen, sobald Copilot an Microsoft meldet, wieviel Du monatlich verdienst und was auf dem Bankkonto so zusammengespart wurde?


    Am Rande vermerkt sei dann noch, daß Microsoft, selbstverständlich, Inhalte von OneDrive und Bitlocker-Schlüssel bereitwillig an Behörden 'rausrückt, wenn der Verdacht auf Straftaten im Raum steht. Man möge bedenken, daß was bis eben noch legal war, mit einem Federstrich kriminalisiert werden kann. 1939 war es in Holland völlig legal, Jude zu sein. 1940 wurde man dafür verhaftet und zu Tode gehungert, und IBM hat mit den Volkszählungsdaten bereitwillig dabei geholfen. Heute leben wir in Deutschland in einem der freiheitlichsten und wohlhabendsten Länder aller Zeiten. Das muß nicht so bleiben. Was kriminell ist, bestimmen die Herrschenden.


    Es ist das Zusammenführen aller digitalen Aktivitäten, einschließlich dessen, was bislang lokal und ohne Netz-Aktivität stattfand, was den Unterschied ausmacht. Windows als "agentisches Betriebssystem" verabschiedet sich von den etablierten Benutzerinterfaces. Statt den Brief zu schreiben, diktierst Du Copilot was Du Dir in etwa vorstellst. Statt zu googeln, fragst Du Copilot. Statt eine Excel-Tabelle zu bauen und den Rechenweg selber auszuknobeln bittest Du Copilot, für Dich zu analysieren, wieviel Geld Du im letzten Jahr für was ausgegeben hast (und vielleicht fragst Du auch nach Sparvorschlägen). Manche Software-Entwickler (anfänglich nur wenige, später mehr) werden sich künftig womöglich sogar die Entwicklung grafischer Benutzeroberflächen sparen und stattdessen nur noch Programmierschnittstellen für Copilot anbieten.

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  • Ich begrüße das Vorhaben sehr, Linux deutlich mehr in den Fokus zu nehmen. Ich persönlich bin schon vor Jahren komplett auf Linux umgestiegen und nach meiner persönlichen Erfahrung hat Linux in eigentlich allen Belangen Vorteile gegenüber Windows: Performance, Flexibilität, Kontrolle und Kosten. Man mag damit argumentieren, dass Windows einsteigerfreundlicher wäre, dem ist aber nicht so. Aktuelle Distributionen (egal welche) erfordern nur noch in Ausnahmefällen die Verwendung des gefürchteten Terminals mit manuellen und kryptischen Befehlen. Ich würde mal sagen, das ist für "ältere Semester", die noch unter MS-DOS oder Windows 3.11 gearbeitet haben aber kein großes Hindernis.
    Zusammenfassend kann ich sagen, dass es in meinem Fall nur sehr exotische Einzelfälle gibt, für die ich noch Windows (in einer virtuellen Maschine) nutze. Namentlich ist das mein bevorzugtes CAD-Programm und mein Kartendrucker, der zwar unter Linux auch läuft, aber der Windowstreiber hat deutlich mehr Optionen. Proprietäre Software ist zwar nicht so sehr mit dem Grundgedanken von Linux zu vereinbaren, aber das ist eine rein ideologische Frage, keine technische!
    Bleibt zu sagen, SB läuft aktuell schon unter der Proton-Schicht und die Codemeter Runtime gibt es sogar nativ für Linux.

    Eine kleine Verbesserung hätte ich noch:


    Zitat
    Valve wird noch in diesem Jahr seine Steam-Konsole auf den Markt bringen, die vollständig unter Linux läuft.

    Das Steam Deck ist bereits seit über 4 Jahren auf dem Markt!

  • Ja, aber sie wollen SteamOS als Linux-Distro rausbringen, wenn ich es richtig verstanden habe. Ich glaube zwar nicht, daß es die richtige Distro für jedermann ist, selbst wenn man sie als Spiele-optimiert betrachtet (u.a. wegen übergriffiger US Altersverifikations-Gesetze). Aber es könnte Linux nochmal einen dringend nötigen Popularitätsschub geben.

    Letztlich: Je mehr Leute positive Erfahrungen mit Linux machen und darüber berichten, desto eher sind konservativere Windows-Nutzer umstiegsbereit. Ich bin da ja selbst Beispiel. Mit Win 8.1 hatte ich die Hoffnung, daß MS noch die Kurve kriegt. Win 10 war nur unwesentlich schlechter (und in einigen Teilen besser), das konnte mann auch noch rechtfertigen.


    Ein Großteil des absoluten Überwachungswahnsinns gibt's erzwungenermaßen auch nur in der Win 11 Home-Version. Wer Win 11 Pro nimmt, kann immer noch weitgehend unbehelligt arbeiten, wenn der PC-Hersteller alles richtig macht. Meine beiden neuen PCs - Hut ab vor meinem örtlichen Händler! - kamen nicht nur wie gewünscht mit lokalem Benutzerkonto, sondern auch mit vorab im BIOS deaktiviertem TPM-Chip.

    90% aller Privatsphären-Einstellungen mußten per O&O Shutup10 natürlich trotzdem noch aktiviert werden. Der Datenabfluß ist jetzt minimiert, aber natürlich nicht eliminiert.


    Bei PCs von der Stange sind solche nutzerfreundlichen Voreinstellungen aber wahrscheinlich nicht der Fall, und wer naiv den Bildschirmtexten von Microsoft bei der Ersteinrichtung (selbst bei Win 11 Pro) glaubt, geht sofort in die Falle - Hardware-ID und persönliche eMail-Adresse werden sogleich mit dem MS Benutzerkonto verknüpft und wandern in die große MS Nutzerdatenbank zur berbesserten AUsbeutung später.

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  • Ich glaube zwar nicht, daß es die richtige Distro für jedermann ist, selbst wenn man sie als Spiele-optimiert betrachtet (u.a. wegen übergriffiger US Altersverifikations-Gesetze).


    In diesem Zusammenhang:

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  • Ich kann auch gerne noch weitere Argumente gegen M$ ins Feld führen. Wusstest du z.B. dass Outlook (ich glaub sogar Windows Mail, aber nagel mich nicht darauf fest) das Passwort für das E-Mail Konto ungefragt und ohne jeglichen Hinweis auf Microsoft Servern speichert?
    Denen will man doch vertrauen - NICHT!

    Zu SteamOS, das sehe ich entspannt. Das ist ja eben das schöne an Linux. Ich habe beispielsweise eine Zotac Gaming Zone (ist halt eine Art Steam Deck Klon, nur besser) und da hab ich bazzite drauf laufen. Look&Feel wie SteamOS und läuft wie eine Eins.
    Es gibt faktisch tausende an unterschiedlichsten Distributionen und der Nutzer kann sich aussuchen, worauf er besonderen Wert legt: bleeding egde Software, Stabilität, Sicherheit, Anonymität, Einfachheit, what ever...

    Das einzige "Problem (nicht für mich) was Linux derzeit noch hat ist die Inkompatibilität mit den Anti-Cheat Maßnahmen, die bei vielen competitive Online-Spielen genutzt werden. Wenn das irgendwie machbar wäre hätte man einen großen Teil der Nutzerschaft auf seiner Seite.